Wohltätige Pharmaindustrie

Nochmal was zur Pharmaindustrie

Eine der Krankheiten, die uns noch keine Probleme bereiten und vor allem die Ärmsten der Armen trifft ist die Schlafkrankheit. Laut Wikipedia sind nach WHO-Schätzungen mehr als 500.000 Menschen daran erkrankt.
Dennoch gibt es keine Impfung. Es gab mal eine Prophylaxe. In der Mitte des letzten Jahrhunderts. Heute bleibt nur die Behandlung. Dabei werden u.a. Arsenprodukte eingesetzt.

Im Zentrum der Behandlung steht auch heute noch Melarsoprol, ein hoch toxisches Arsenpräparat, dessen Applikation schmerzhaft und gefährlich ist. Vier bis zwölf Prozent aller Patienten, die mit Melarsoprol behandelt werden müssen, überleben die Therapie nicht. Außerdem mehren sich aus einigen Zentren Berichte eines primären Therapieversagens durch das Auftreten Melarsoprol-resistenter Trypanosomenstämme. Eflornithin ein wesentlich besser wirksamer und verträglicher Wirkstoff kommt erst jetzt auf den Markt, obwohl schon 1980 dessen Wirksamkeit gesichert werden konnte. Grund ist, dass die Industrie damit in Afrika nicht genügend Geld verdienen konnte.

(Quelle: NEUROLOGY 2006;66:1094–1096 via neuro24.org)

Aber die Schlafkrankheit ist nicht das einzige Problem.

Weil die Tuberkulose wie viele andere Krankheiten von der Arzneimittelforschung vernachlässigt wird. An der Schlafkrankheit sterben – wenig beachtet von der Weltöffentlichkeit – ebenfalls weltweit jährlich Tausende von Menschen. Und auch gegen sie stehen keine modernen Arzneimittel oder gar ein Impfstoff zur Verfügung. Bei Malaria sieht die Lage ähnlich aus.
Dabei geht es schlicht ums Geld: Den meisten Pharmaunternehmen ist die Forschung zu diesen Krankheiten einfach nicht lukrativ genug. So ist es zu erklären, dass weltweit nur 12 Unternehmen zu Tuberkulose forschen. Die Firmen investieren ihrer Wirtschaftslogik entsprechend lieber in Bereiche, die einen hohen Gewinn bieten. Dazu zählen einerseits sinnvolle Mittel gegen Krebs und Herzkrankheiten, die sich in Europa, den USA und Japan gut verkaufen lassen. Zu den Verkaufsschlagern gehören aber andererseits auch die so genannten Lifestyle-Medikamente für Gesunde, wie zum Beispiel Anti-Falten-Mittel, Fettreduzierer, Potenzpillen, Mittel gegen Haarausfall oder Antidepressiva.

(Quelle: diegesellschafter.de)

Tja, wen interessieren schon sterbende Neger. Selbst Schuld, wenn die kein Geld haben.

Weil die deutsche Pharmaindustrie gegen Südafrika um Lizenzgebühren für Aids-Medikamente im Milliardenwert prozessiert, wollte ein PDS-Abgeordneter politische Unterstützung für das Land mit der weltweit höchsten HIV-Rate mobilisieren. Doch seine Bundestagskollegen interessiert das Elend am Kap nicht.

(SPON im April 2001)

Und welche Lösung bot man an?

Unter dem Druck der öffentlichen Meinung hatte die Pharmaindustrie in den vergangenen Wochen schon starke Preisnachlässe um 80 Prozent und mehr angekündigt.
(…)
Die indischen Generika-Hersteller Cipla und Hetero verlangten zum Beispiel für die Virus hemmende Aids-Kombinationstherapie teilweise nur 350 Dollar, während das im Preis reduzierte Angebot der Großkonzerne noch bei mehr als 1000 Dollar liege.

(Quelle: SPON)
Wie gesagt, das um 80% reduzierte Medikament kostet noch 1000 Dollar. Dankt unserem Gesundheitssystem auf Knien. So schlimm sind unsere Beiträge doch noch nicht.

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