Klage gegen „Girls Gone Wild“ gescheitert

31. Juli 2010

Eine nur als Jane Doe bekannte Frau ist mit einer Schadensersatzklage gegen die Macher der „Girls Gone Wild“ Film-Reihe gescheitert. In den Filmen dieser Serien geht es darum, dass Frauen unter Alkoholeinfluss möglichst unbekleidet gefilmt werden.
Der Klägerin wurde nach eigenen Angaben gegen ihren Willen das Top vor laufender Kamera herunter gezogen, obwohl sie es zuvor abgelehnt hatte, dies selbst zu tun. Nachdem sie nun erfahren hat, dass die Szene tatsächlich veröffentlicht wurde, hat sie die Macher auf 5 Millionen Dollar verklagt. Die Klage wurde abgewiesen.

Die Begründung der Jury ist ein Schritt zurück in die Steinzeit.

But Patrick O’Brien, the jury foreman, told a reporter later that an 11-member majority decided that Doe had in effect consented by being in the bar and dancing for the photographer. In a trial such as this one, agreement by nine of 12 jurors is enough for a verdict.
„Through her actions, she gave implied consent,“ O’Brien said. „She was really playing to the camera. She knew what she was doing.“

Das Argument kenne ich von früher aus Vergewaltigungsfällen. Da war die Frau auch selbst schuld, weil sie einen kurzen Rock oder ähnliches getragen hat. Widerlich.

Das Fazit für Frauen muss also lauten:
Frauen, die in eine Bar Spaß haben und tanzen, sind damit einverstanden, wenn ihnen jemand das Top runter zieht, sie dabei filmt und den Film dann verkauft.

(via blaghag.com)


Masern-Epidemie in Essen

30. Juli 2010

Beim Robert-Koch-Institut bin ich auf einen Artikel mit dem Titel „Spotlight on measles 2010: Measles outbreak in a mainly unvaccinated community in Essen, Germany, March – June 2010“ von H. Roggendorf, A. Mankertz, R. Kundt und M. Roggendorf gestoßen.

Vom 15.3. – 19.5. 2010 wurden in Essen 71 Marsern-Fälle gemeldet. 4 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Interessant ist, dass die meisten Patienten Kinder mit einer Verbindung zu einer Waldorfschule waren. Im Umfeld dieser Schule sind die Eltern scheinbar sehr impfkritisch.

According to the information received from parents of the 71 cases, 30 could be identified as members of the Waldorf school or kindergarten, 18 as siblings of these members and 20 as visiting doctors who do not recommend vaccination.

Als Gegenmaßnahme wurde ungeimpfte Kinder vom Unterricht ausgeschlossen.

The control of the vaccination certificates showed that 311 of 762 children (41%) attending the Waldorf school were not vaccinated against the disease or had not had measles before. None of the susceptible students attended classes.

Aber diese Maßnahme stieß scheinbar nicht auf Sympathie.

Staff from the District Health Office had several discussions as well as conversations via email with parents who were concerned about the exclusion of their children from school.

Zum Glück hat es keine schlimmen Auswirkungen gegeben.

Three children and one adult were hospitalised with fever and severe rash but they did not develop any major complications.

Leider haben die Eltern nichts gelernt.

The school administration and the teachers were very cooperative in the organisation of the vaccination certificates control. However, the majority of parents indicated clearly that they disagreed with having their children vaccinated against measles.

Und dabei zeigt dieser Fall, dass Impfungen ein guter Schutz sind.

Of the 71 cases in this outbreak, only one had received two doses of MMR and a further two cases had received only one dose.

Das Fazit der Autoren ist frustrierend.

The goals of the World Health Organization (WHO) to eliminate measles cannot be achieved as long as doctors do not recommend vaccination or parents refuse to have their children vaccinated against measles


Die 365-Tage Simulation für das Deepwater Horizon Ölleck

8. Juli 2010

Von der University of Hawaii kommt eine Simulation zum Thema Ölleck im Golf von Mexiko. Was passiert, wenn das Leck ein Jahr nicht geschlossen werden kann?

(via io9.com)


Impfquoten bei den Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland 2008

7. Juli 2010

Das Robert-Koch-Institut hat die Statistik über den Impfstatus bei der Einschulung 2008 veröffentlicht.

Die gute Nachricht zuerst. Die Impfquote ist gegenüber den Vergleichsjahren 1998 und 2003 angestiegen oder auf hohem Niveau gleich geblieben.

Impfquote bei den Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland 2008

Wie man in dem Paper auch sehen kann, ist die Kampagne der Impfkritiker gegen die MMR-Impfung scheinbar nicht in Deutschland angekommen (S. 14)

MMR-Impfquote 2008 Deutschland

Was mich aber irritiert hat, ist die Tatsache, dass für einige Krankheiten (z.B. Hepatitis B oder Masern) die Impfquote in den alten Bundesländern schlecht ist als in den neuen Bundesländern.

Impfquote für die alten und neuen Bundesländer 2008

Woran liegt das? Gefühlte Sicherheit? Oder vermeintliche Impfskepsis?

(Alle Bilder aus dem Paper des RKI)


Logische Fehler in Diskussionen

6. Juli 2010

Wenn man sich erfolgreich an einer Diskussion beteiligen will ist es notwendig zu erkennen, wann die Argumente der Gegner keiner Argumente sondern logische Fehler sind. Man kann die verschiedensten Ausprägungen der Argumente in jeder beliebigen Diskussion im Netz finden. Ich stelle einige Fehler vor, damit man Sie erkennen kann.

Den Grundtyp nennt man Non-Sequitur (Folgt nicht). Dies soll eigentlich nur zeigen, dass die Schlussfolgerung nicht aus der Voraussetzung folgt.
„Es regnet, also ist heute Montag“

Alle folgenden Beispiele sind natürlich „Non-Sequitur“-Argumente, aber die besonderen Ausprägungen sind es, die uns interessieren.

Ad Hominem
Der Angriff gegen den Gesprächspartner.
„Du bist ein Atheist, daher sind deine Aussagen über Gott irrelevant“
Gerne auch in Diskussionen über Impfungen und ähnliche Themen genommen. „Die Pharmaindustrie verdient Geld, also ist sie böse. Und jeder der für sie arbeitet auch.“ Diese Variante ist das „Bad Pharma“-Argument.

Eine bekannte Variante ist die Reductio ad Hitlerum auch bekannt als Godwin’s Law. Damit ist der Versuch gemeint, den Gegner zu diskreditieren, indem man ihn als Nazi darstellt.
„Atheismus ist böse, schließlich war Hitler auch Atheist“

Pappkamerad (Pappdrachentöter)
Erst wird dem Gegner eine Behauptung unter geschoben und diese dann zerstört.
„Die Evolutionstheorie versucht zu erklären, wie das Leben aus dem Nichts entstanden ist. Aber das gelingt nicht.“ Natürlich beschäftigt sich die Evolutionstheorie nicht mit der Entstehung sondern mit der Entwicklung des Lebens. Daher ist die Grundaussage falsch.

Argumentum ad verecundiam (Autoritätsargument)
Es wird eine vermeintliche Autoritätsperson zitiert und damit die eigene Aussage gestärkt.
„Quantenphysik ist falsch. Einstein war schließlich auch gegen die Quantenphysik.“
Besonders gern werden auch bekannte, aber fachlich nicht besonders qualifizierte Personen zitiert., z.B. eine US-Moderatorin, die an einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus bei Kindern glaubt.

Gefährlich ist es, selbst in den Versuch zukommen, dieses Vorgehen zu nutzen, indem man argumentiert, dass Prof. XY in Nature veröffentlicht hat, dass Z gilt. Das Argument sollte nicht Prof. XY sein, sondern die Fakten aus dem Artikel.

Argumentum ad antiquitatem (Historisches Argument)
Das haben wir schon immer so gemacht.
„Traditionelle Chinesische Medizin ist mehr als tausend Jahre alt. Also muss sie funktionieren.“

Post-hoc ergo propter hoc (danach, also deswegen)
Die zeitliche Abfolge suggeriert, dass es auch einen kausalen Zusammenhang gibt. So zum Beispiel im Storch-Kind-Problem.
„In Brandenburg nimmt die Zahl der Störche zu, gleichzeitig gibt es dort mehr Kinder. Also bringt der Storch die Kinder.“

Ein anderes Beispiel stammt aus der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters. Dort ist es ein zentrales Dogma, dass die Abnahme der Piraten die Ursache für die Klimaerwärmung sei. Schließlich nimmt die Zahl der Piraten seit dem 17. Jhd. ab und gleichzeitig wird es wärmer. Also gibt es einen Zusammenhang.

Dies zeugt von einem Problem Kausalität und zeitlicher Korrelation zu unterscheiden. Dabei gibt es 4 Lösungsmöglichkeiten.

1) Aus A folgt B.
2) Aus B folgt A.
3) A und B folgen aus einem unbekannten C.
4) A und B hängen nicht zusammen. Es war schlichter Zufall.

Nur 1), 2) und 3) bieten eine Kausalität.

Argumentum ad ignorantiam (Ignoranz-Argument)
Die Annahme, dass etwas stimmt, weil das Gegenteil nicht bewiesen worden ist.
„Es gibt Außerirdische, denn bisher hat niemand ihre Nichtexistenz bewiesen.“

Als Variante gibt es das Unkenntnis-Argument
„Wir wissen nicht, was auf dem Photo vom Loch Ness zu sehen ist, also muss es das Monster sein.“
Dieses Argument ist sehr häufig in UFO-Diskussionen zu finden.

Argumentum ad numerum(Mehrheits-Argument)
Die Überzeugung, dass etwas stimmt, nur weil Viele es auch glauben.
Frei nach Dieter Hildebrandt: „Fresst mehr Scheiße, Millionen Fliegen können sich nicht irren.“
„Homöopathie funktioniert, schließlich wenden es immer mehr Menschen an. Darunter auch Ärzte.“

Argumentum ad misericordiam (Mitleids-Argument)
Bekannt aus der Zensursula Debatte zur Internet-Sperrung von dokumentierten Kindesmissbrauch.
„Internet-Sperren dienen dem Schutz von Kindern vor Missbrauch. Das muss man doch unterstützen.“
Es ist der Versuch Argumente durch Emotionen zu ersetzen.

Dieser Blogpost wurde von (romanmd.wordpress.com inspiriert.)
Weiterführende Literatur:
Steven Novella – How To Argue
Logical Fallacies and the Art of Debate